Der Rössleweg

Der Rössleweg

5 Etappen | 60 km | 1.000 hm

gewandert zwischen Oktober 2024 und November 2025


  1. Wegcharakter
  2. Übernachtungen und Anreise
  3. Tourenbeschreibung
  4. Ausrüstung & Verpflegung
  5. Fragen
  6. Weitere Mehrtagestouren

Schwierigkeitsgrad2/5
Kulturgrad4/5
Naturgrad2/5
Beste JahreszeitGanzjährig
StartpunktJeder Etappenstart kann als Start- oder Endpunkt genutzt werden

Anreise
Jede Etappe ist sehr gut mit dem ÖPNV erreichbar. Folgende Verbindungen haben wir genutzt:
Etappe 1: Start: Bushaltestelle „Botnanger Sattel“ Ende: Stadtbahnhaltestelle „Landauer Straße“
Etappe 2: Start Stadtbahnhaltestelle „Landauer Straße“ Ende: Straßenbahnhaltestelle „Elbestraße“
Etappe 3: Start: Straßenbahnhaltestelle „Elbestraße“ Ende: S-Bahnhaltestelle „Obertürkheim“
Etappe 4: Start S-Bahnhaltestelle „Obertürkheim“ Ende: Straßenbahnhaltestelle „Weinsteige“
Etappe 5: Start: Straßenbahnhaltestelle „Weinsteige“ Ende: Bushaltestelle „Botnanger Sattel“

Durch den Kräherwald

Von der U-Bahn-Haltestelle Botnanger Sattel geht es direkt in den Kräherwald im Stuttgarter Westen. Da unsere Studenten-WG ebenfalls im Stuttgarter Westen lag, kennen wir den Kräherwald von unzähligen Joggingrunden und Spaziergängen nur zu gut. Der Wald dient als Naherholungsgebiet für Mensch und Tier. Mit Sportstätten, Grillstellen und hölzernen Fitnessgeräten sowie dem Kräherwald-Trimm-Dich-Pfad wird hier einiges geboten. Die Stuttgarter nutzen den Wald intensiv, um aus der Stadt herauszukommen.

Unser Weg führt uns auf einer leicht begehbaren Schotterstraße durch das dichte Grün. Dabei entdecken wir auch einen „Hohlweg“ – einen Pfad, der an beiden Seiten von hohen Böschungen gerahmt ist.

Feuerbacher Tal und Stuttgarter Schrebergärten

Noch im Wald geht es bergab ins Feuerbacher Tal. Das Tal zwischen Botnang und Feuerbach verdankt seinen Namen dem Feuerbach, der in den Neckar mündet. Der Weg am Bach ist einer meiner Höhepunkte der Tour, auch wenn er gleichzeitig den tiefsten Punkt unserer Wanderstrecke markiert. Wir steigen also wieder bergauf und die Umgebung verändert sich: Wir verlassen den Wald und tauchen ein in die Welt der Stuttgarter Schrebergärten.

Der Anstieg ist keinesfalls schwer, aber doch etwas schweißtreibend und wird mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Am Höhenzug der Hohen Warte blicken wir zurück über den Kräherwald und den Glemswald. Uns umgeben nun sorgfältig gepflegte Weinreben. Von der Stadt haben wir bisher wirklich noch nicht viel gesehen. Auch die Schrebergärten sehen gepflegt aus. Zudem kommen uns nur wenige andere Wanderer entgegen, obwohl wir einen schönen Wochenendtag für unsere Tour gewählt haben.

In Mitten eines Mammutmarsches

Nachdem wir die Stötzlenswaldwegbrücke über die B295 überquert haben, führt uns der Weg weiter durch den letzten Waldabschnitt am Lindenbach in Weilimdorf. Hier geraten wir mitten in einen Mammutmarsch. Wir müssen die Menschenmassen zweimal queren und werden kurzzeitig selbst für Teilnehmer gehalten. Allerdings sahen wir hierfür noch viel zu fit und glücklich aus, denn die Wanderer des Mammutmarsches sind bereits seit sechs Uhr morgens auf den Beinen. Nach bereits 40 absolvierten Kilometern lief der ein oder andere nicht mehr ganz so rund.

Diese Etappe ist sehr waldig, grün und schattig. Sie lässt uns abschalten und vergessen, dass wir uns in einer Großstadt befinden. Einkehrmöglichkeiten gibt es auf der Strecke keine, weshalb wir im Anschluss in Weilimdorf ein Restaurant besuchen.

Sportgeräte im Kräherwald - nicht mit uns!

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Sportgeräte im Kräherwald – nicht mit uns!

Bei diesem Ausblick glaubt man kaum, dass es sich um Stuttgart handelt, wäre da nicht der Fernsehturm.

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Bei diesem Ausblick glaubt man kaum, dass es sich um Stuttgart handelt, wäre da nicht der Fernsehturm.

Erstes Highlight: Das Kotzenloch

In Weilimdorf gestartet, beginnt unsere Tour direkt mit einem Aufstieg auf den 384,5 Meter hohen Lemberg. Der Schilfsandsteinberg spendete den Stuttgartern früher wertvollen Mergel zum Bauen, Düngen und um den Wein besser gedeihen zu lassen. Wir steigen an seinem westlichen Hang auf, am sogenannten Kotzenloch vorbei zum Feuerbacher Horn. Hier gibt es auch eine Infotafel zur Geologie und der seltenen Flora wie z.B. der „Echte Haarstrang“, welcher auf den mageren, kalkfreien Böden am Lemberg wächst.

Feuerbacher Höhenweg

Oben angekommen, wandern wir nun entlang des Feuerbacher Höhenwegs, einem größtenteils asphaltierten Wirtschaftsweg. Wunderbare Ausblicke auf die Weinreben zur Rechten und das Naturschutzgebiet Greutterwald zu unserer Linken bereichern diesen Weg. Das 151 Hektar große Schutz- und Naherholungsgebiet mit seinen Streuobstwiesen, kleineren Gewässern und Waldflächen sorgt dafür, dass vom industriellen Feuerbach kaum etwas zu hören ist. Wer die Bänke auf dem Weg für eine Rast nutzt, sollte den Blick dennoch gen Feuerbach und in den Stuttgarter Kessel schweifen lassen. Wir sehen hier sogar bis zum Stuttgarter Fernsehturm.

Abstieg zum Neckar

Wir steigen nun nach Zuffenhausen ab und überqueren die Bahngleise. Dies ist tatsächlich so gut wie der einzige wirklich städtische Teil der gesamten Etappe, denn es geht sogleich wieder in den nächsten Grünstreifen. Wir erreichen nun den Hang des Robert-Bosch-Krankenhauses und wandern an den ehemaligen Robinson Barracks vorbei. Das heutige Wohnquartier spiegelt die deutsch-amerikanische Geschichte wider. Und passend für jeden Wanderer engagiert sich das Robert-Bosch-Krankenhaus aktiv mit Sturzprävention.
Der Rössleweg umrundet das gesamte Krankenhausareal, das über dem Stuttgarter Nord-Osten thront.

Nun ist es nicht mehr weit zum Neckar. Der Fluss fließt nie wirklich durch die Stadt, sondern tangiert sie nur und trennt sie sauber von Bad Cannstatt.

Es ist November und die Weinreben in Südhanglage tragen immer noch herbstliche Farben. Auf einer Straße, aber ohne Kraftfahrverkehr, gehen wir gemütlich bergab, während wir Hallschlag Bad Cannstatt vor uns liegen sehen und in weiter Ferne das Remstal hervorspickt. (Empfehlung: Mehrtagestour Der Remstalweg)

Von der Straßenbahnhaltestelle Elbestraße geht es wieder ganz leicht zum Hauptbahnhof. Wir finden allerdings noch einen traditionell schwäbischen Besen in der Gegend und verbringen den restlichen Tag in toller Atmosphäre.

Die Erdschichten am Kotzenloch geben uns Rückschlüsse über die geologische Geschichte unseres Landes

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Die Erdschichten am Kotzenloch geben uns Rückschlüsse über die geologische Geschichte unseres Landes

Der Ausblick über Feuerbach in Richtung Stuttgart

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Der Ausblick über Feuerbach in Richtung Stuttgart

Auf dem Abstieg zum Neckar geht es entlang der Weinreben am Schnarrenberg

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Auf dem Abstieg zum Neckar geht es entlang der Weinreben am Schnarrenberg

Etappe 3 ist vom Neckar und den Weinbergen an der Ostseite des Kessels geprägt. Wir wandern stets gen Süden auf guten Wegen, wobei der Rössleweg asphaltierte Abschnitte und Wohngebiete fast immer meidet.

Vom Neckarblick nach Sommerrain

Von der Haltestelle Elbestraße kommend, überqueren wir die Aubrücke und schlagen sogleich den Weg entlang des Neckars ein. Hierbei kommen wir an der City-Golf-Anlage und einem Bootshaus vorbei, um dann durch das Gebiet Zuckerberg-Muckensturm zu wandern. Dieses Landschaftsschutzgebiet ist vom Weinbau geprägt, während wir den Blick zum Fluss und dem dahinterliegenden Stadtteil Münster schweifen lassen. Zudem sehen wir noch den Max-Eyth-See, einem beliebten Ausflugsziel der Stuttgarter im Sommer.

Weiter geht es durch den Stadtteil Sommerrain, der seinen Namen dem ursprünglichen Flurstück verdankt, auf dem er in den 1930er-Jahren als Siedlung erbaut wurde. Ich kannte die Gegend bisher auch nur aus der S-Bahn.

Könglicher Württemberg

Knapp drei Kilometer führt der Rössleweg nun durch ein locker bebautes Wohngebiet, bis am Horizont das nächste Highlight erscheint: der Württemberg mit seiner markanten Grabkapelle.

Das Mausoleum wurde zwischen 1820 und 1824 für die jung verstorbene Königin Katharina, die Frau von König Wilhelm I., auf den Ruinen der verfallenen Stammburg Wirtemberg erbaut. „Die Liebe höret nimmer auf“ ließ Wilhelm als Inschrift auf der Kapelle verewigen.

In meinen Architekturvorlesungen habe ich die Grabkapelle vor allem aufgrund ihrer Form früh kennengelernt. Sie ist von der berühmten Villa La Rotonda von Andrea Palladio inspiriert und besteht wie diese aus vier identischen Portiken, die in allen vier Himmelsrichtungen um einen Zentralraum angeordnet sind.

Abstieg nach Obertürkheim

So schön wie der Aufstieg zur Grabkapelle ist auch der Abstieg nach Obertürkheim. Auf einem Panoramaweg wandern wir – langsam hungrig werdend – wieder bergab in Richtung Neckar und dem dortigen Hafen im Stadtteil Obertürkheim. Da die Gegend stark von Industrie geprägt ist, ist sie vielleicht nicht der schönste Teil der Stadt, jedoch ist sie hervorragend an den ÖPNV angebunden und deshalb ein perfektes Etappenziel oder ein idealer Startpunkt für den Rössleweg.
Hier kann erneut die Chance genutzt werden, schwäbische Besenkultur kennenzulernen. Es gibt zahlreiche traditionelle Weinstuben in Obertürkheim und im benachbarten Stadtteil Uhlbach.

Zwischen Neugereut und Bad Cannstatt geht es weiter im Grünen

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Zwischen Neugereut und Bad Cannstatt geht es weiter im Grünen

Vor uns thront der die königliche Grabkappe am Württemberg

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Vor uns thront der die königliche Grabkappe am Württemberg

Nachdem wir das Industriegebiet von Obertürkheim schnell durchquert haben, führt uns Etappe 4 von der Weinlandschaft in einen kühlen Wald – eine willkommene Abwechslung im Hochsommer. Wir schlendern deshalb gemütlich bis nach Degerloch und schließen unsere Tour an der Weinsteige mit einer verdienten Abkühlung im Biergarten ab.

Auf die Wangener Höhe

Von der S-Bahnhaltestelle Obertürkheim geht es zügig wieder aus der Stadt heraus in Richtung der Wangener Höhe. Dieser Abschnitt schenkt uns mit dem größten Anstieg des Rösslewegs zwar eine Herausforderung, dafür aber auch die vielleicht schönsten Ausblicke der gesamten Tour. Wir können den Blick zurück zur Grabkapelle über dem Neckar, aber auch in Richtung Rohracker und Sillenbuch über die Weinberge und Wälder schweifen lassen.

Der Bienenbrunnen

Nach rund 4,5 Kilometern erreichen wir eine freudig-kühle Überraschung: den Bienenbrunnen. In Stuttgart wird er auch „Genossenschaftsbrünnele“ genannt. Er soll die fleißige Arbeit der Biene und die der Weingärtnergenossenschaft symbolisieren, die beide für das gemeinsame Wohl ihrer Mitglieder tätig sind.

Über den folgenden „Wanderreitweg“ geht es dann weiter bergauf. Mit dem Wechsel vom Weinanbau zum Laubwald verändern sich auch Flora und Fauna merklich. Die Luft wird nun kühler und feuchter und die Geräusche der Stadt nehmen merklich ab.

Bopserhütte und Biergarten

Nach einigen Kilometern im Wald stoßen wir auf eine große, offene Holzhütte am Wegesrand: die Bopserhütte.

Unsere Tour endet an der U-Bahnhaltestelle „Weinsteige“. Wir wollen aber noch den nahegelegenen Biergarten besuchen und nehmen dafür gerne ein paar zusätzliche Höhenmeter in Kauf. Diese haben sich auf jeden Fall gelohnt!



Die Aussicht von der Wangener Höhe ist traumhaft!

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Die Aussicht von der Wangener Höhe ist traumhaft!

Der Bienenbrunnen in Bienenkorbform spendet kühles Wasser.

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Der Bienenbrunnen in Bienenkorbform spendet kühles Wasser.

Santiago de Chile auf schwäbisch

Unkompliziert beginnen wir unsere Wanderung an der U-Bahnhaltestelle Weinsteige, direkt am Santiago-de-Chile-Platz. Von hier oben blicken wir über ganz Stuttgart in Richtung Nordosten. Zwar gibt es hier zwei große südamerikanische Skulpturen, doch die meisten Besucher interessieren sich vor allem für den Ausblick. Viele Touristen kommen dafür extra mit der Zahnradbahn „Zacke“ herauf. Bei meinen Recherchen habe ich erfahren, dass es in Chile als Pendant zum Stuttgarter Santiago-de-Chile-Platz eine „Plaza Stuttgart“ gibt.

Nun wandern wir aber los, die 11 Kilometer wollen schließlich zurückgelegt werden. Etappe 5 führt uns anfangs zwar noch wenige hundert Meter durch ein Degerlocher Wohngebiet, bringt uns dann aber schnell in ein ruhiges Waldstück. Hier treffen wir am Degerlocher Waldsee ein verliebtes Entenpaar an. Wir erhöhen das Tempo etwas, da hinter uns eine größere Touristengruppe den Blaustrümpflerweg entlangwandert. Dieser ist vermutlich der bekannteste Wanderweg Stuttgarts und eine absolute Empfehlung, da der Rundweg den Stuttgarter Westen mit Wald und tollen Ausblicken kombiniert.

Von der Schwälblesklinge zur Hasenbergsteige

Der Weg führt uns vorbei am Waldfriedhof und immer tiefer in den Heslacher Wald hinein. Wir genießen den angenehmen Schatten und die frische Waldluft. Besonders beeindruckend ist die Schwälblesklinge, ein schmaler Taleinschnitt, dessen feuchtes, moosbewachsenes Grün eine beinahe märchenhafte Stimmung erzeugt. Hier gehen wir langsam, schauen uns um und lassen die Atmosphäre auf uns wirken.

Beim Abstieg nach Heslach werden wir fast von zwei Mountainbikern übersehen. Unversehrt geht es dann aber durch das dichte Laub weiter hinab. „Klingen“ sind typisch für Stuttgart. Die engen, feuchten Kerbtäler haben ein ganz eigenes kühles Mikroklima.
Wir sind heute zu siebt unterwegs, müssen uns jedoch in Heslach von zwei Mitwanderern verabschieden (deshalb weicht unsere Route hier kurz vom offiziellen Rössleweg ab).

Anschließend führt der Rössleweg wieder auf einem angenehmen Forstweg einige Kilometer durch den ruhigen Wald. Die Nähe zur Stadt ist hier kaum zu erahnen. Nur die zahlreichen Jogger und Radfahrer, für die der Wald als Naherholungsgebiet dient, lassen sie erahnen.

Tourenabschluss am Birkenkopf

Nachdem wir die B14 überquert haben, führt der Rössleweg auf einem schnurgeraden Stück zwei Kilometer lang über eine Allee – die Bürgenallee durch den Rotwildpark. Das Abschlusshighlight für den Wanderer ist dann der Birkenkopf, ein 511 Meter hoher Trümmerberg aus dem Zweiten Weltkrieg. Wir Schwaben nennen ihn deshalb auch liebevoll „Monte Scherbelino“. Da uns jedoch der Hunger plagte, sparten wir uns den finalen Aufstieg und beendeten unsere Tour dort, wo sie vor einem Jahr begann: in Botnang.
Somit schließt sich der Kreis und ein weiteres Kapitel voller Abenteuer und Highlights ist beendet.

Hier treffen sich Rössleweg und Blaustrümpflerweg

alex-wandert-halt.de

Hier treffen sich Rössleweg und Blaustrümpflerweg

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Etappe 5 führt uns nochmals durch zahlreiche Waldklingen