Aufgrund einer kurzfristigen Umplanung haben wir die Übernachtung auf der Wiesbadener Hütte storniert und sind stattdessen direkt zur Saarbrücker Hütte gewandert. Die Tour begann gemütlich am See und führte uns anschließend durch das spannende Klostertal leicht bergauf. Auf dem letzten Abschnitt forderte uns der Weg über steinigen Untergrund noch einmal heraus, bis wir schließlich die Saarbrücker Hütte erreichten.
Den Bericht zur Etappe 1 vom Vortag findest du hier.
Tourendaten im Überblick
Streckenlänge:
9,7 km
Höhenmeter bergauf:
770 m
Höhenmeter bergab:
250 m

Montafoner Hüttenrunde Etappe 2: Vom Madlenerhaus zur Saarbrücker Hütte
gewandert am 18.08.2024
Key Facts
| Schwierigkeitsgrad | 3/5 |
| Kulturgrad | 2/5 |
| Naturgrad | 4/5 |
| Beste Jahreszeit | Juli bis September |
| Startpunkt | Silvretta Bielerhöhe |
Tourenbeschreibung
Frühstück & Regen
Regentropfen perlen am Fensterglas des Madlenerhauses, während ich mir am Hüttenfrühstücksbuffet einen Teller belade. Käse, Wurst, Marmelade – die typischen Zutaten für eine gute Stärkung am Morgen.
In voller Regenmontur starten wir die Wanderung und müssen dabei aussehen wie ein bunter Papageienschwarm. Unsere heutige Etappe mussten wir bereits im Voraus umplanen, da die Übernachtung auf der Wiesbadener Hütte storniert wurde. Unser neues Ziel ist also die Saarbrücker Hütte. Der Weg dorthin führt uns vorbei am Stausee, durch das Klostertal und schließlich in einen steilen Anstieg.
Silvretta Stausee
Zuvor bestaunen wir jedoch noch das Kunstwerk am Hotel des Silvrettastausees: eine plastische Europakarte, die auch die europäische Wasserscheide darstellt. Von der Aussichtsplattform hätten wir normalerweise einen tollen Blick auf den Piz Buin, doch heute bleibt uns die Sicht durch den dichten Nebel verwehrt. Der Stausee selbst liegt ruhig vor uns, sein türkisblaues Wasser wirkt in der nebligen Stille besonders kalt.
Wir nehmen den nördlichen Weg um den See und stoßen dabei schon bald auf das zweite „kulturelle“ Highlight: den Tunnel „Kunstraum 2032 Silvretta“. Hier wird das Bergwetter durch ein Zusammenspiel von Farbspektren und Musik interpretiert – eine Wettervorhersage der etwas anderen Art. Ironischerweise bestens informiert, wandern wir nun geradewegs ins feuchte Verderben: Nebel, Regen und später sogar Gewitter sind angekündigt. Unser heutiges Ziel ist damit klar: Wir müssen das kleine Trockenfenster nutzen, um so schnell wie möglich zur Saarbrücker Hütte aufzusteigen.
Feuchtes Klostertal
Wenige Kilometer später tauchen wir in das Klostertal ein. Es regnet leicht, aber beständig, doch es fühlt sich überraschend mild an. Die gesamte Gruppe ist hochmotiviert und lässt sich vom Wetter die Wanderlust nicht verderben.
Das Klostertal, bekannt für seine wasserreiche Landschaft, führt uns über einen angenehmen Wanderweg. Immer wieder überqueren wir auf kleinen Brücken die reißende Alfenz. Auch wenn der Regen die Fernsicht trübt, hat die Landschaft eine ganz eigene, fast mystische Atmosphäre, die wir trotz des Wetters genießen.
Steiler Aufstieg
Nach rund sechs Kilometern biegt der Weg scharf rechts ab und der eigentliche Aufstieg beginnt. Auf dem steinigen Pfad findet jeder von uns sein eigenes Tempo.
Die Belohnung für die Mühe folgt in einem fast magischen Moment: Für einen kurzen Augenblick reißt die dichte Nebeldecke auf und gibt den Blick auf den Gepatschferner frei. Ein atemberaubender Anblick, wenn man bedenkt, dass wir hier gerade den zweitgrößten Gletscher Österreichs erblicken.
Schreckmoment
Inzwischen hat sich unsere Gruppe weit auseinandergezogen und der Nebel verdichtet sich zusehends, bis wir kaum noch zehn Meter weit sehen können. Ein schnelleres Pärchen ist bereits für die letzten Kilometer zur Hütte vorausgeeilt, während zwei weitere Personen hinter uns wandern.
Der Weg führt uns über ein riesiges Geröllfeld, doch die dichte Suppe um uns herum lässt uns nichts erkennen. Die rot-weißen Markierungen auf den Steinen sind rar und die Abstände dazwischen viel zu groß. Ständig muss ich auf mein Handy schauen und per GPS überprüfen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Ein falsches Abbiegen in diesem unbekannten Terrain könnte fatale Folgen haben. Teilweise fühlt es sich an, als würden wir mit verbundenen Augen blind durch die Berge irren.
Als wir plötzlich einen Bach an der falschen Stelle überqueren müssen, wird mir klar, dass wir kurz vom Weg abgekommen sind. Ein kleiner Fehler nur, aber ein beunruhigendes Zeichen. In unseren ohnehin schon pitschnassen Schuhen macht der Ausflug ins Wasser zwar keinen Unterschied mehr, doch die Anspannung steigt.
Der Schreckmoment auf der Saarbrücker Hütte
Als wir endlich die Hütte erreichen, erleben wir einen riesigen Schock: Die beiden Freunde, die vorausgewandert sind, sind nicht da. Uns ist sofort klar, dass sie keinen absichtlichen Abstecher gemacht haben – bei diesem Wetter wollten sie so schnell wie möglich ins Trockene.
Nach einer kurzen, angespannten Beratung steht fest: Eine Suchaktion im dichten Nebel wäre für uns selbst zu gefährlich. Wir würden riskieren, uns ebenfalls zu verirren. Der Plan ist daher, von der Hütte aus zu rufen, in der Hoffnung, dass sie sich in Hörweite befinden.
Glücklicherweise währt die Ungewissheit nur wenige Augenblicke. Plötzlich tauchen die beiden aus dem Nichts auf – unversehrt. Die unglaubliche Erklärung: Sie sind im dichten Nebel direkt an der Hütte vorbeigewandert. Nur weil sie wussten, dass sie eigentlich schon da sein müssten, sind sie umgekehrt, um die Hütte und uns zu suchen. Keiner von beiden hatte einen GPS-Tracker oder eine Wander-App zur Navigation dabei.
Ein Fazit, das unter die Haut geht
Navigations-Apps auf dem Handy werden oft kritisiert. In dieser Situation jedoch – im dichten Nebel, bei mangelhafter Beschilderung – war die GPS-Verbindung auf der digitalen Karte unsere Rettungsleine. Für unsere Freunde hätte sie den Unterschied zwischen einer Schrecksekunde und einer echten Notlage ausmachen können. Manchmal ist moderne Technik am Berg nicht nur hilfreich, sondern lebensrettend.

alex-wandert-halt.de
Die dichte Wolkendecke über dem Silvrettastausee

alex-wandert-halt.de
Im regnerischen Klostertal

alex-wandert-halt.de
Auf nassen Wegen arbeiten wir uns weiter voran durch das Klostertal.
Übernachtung
Saarbrücker Hütte
Die, auf 2.538 m hoch liegende, Hütte ist heute sehr leer. Nur wenige Wanderer nehmen ihre Buchung bei diesem Wetter wahr.
Ich erinnere mich gar nicht mehr so sehr an den Tag auf der Hütte.
In Erinnerung bleibt mir jedenfalls der Trockenraum, weil meine Schuhe und die Kleidung wirklich sehr durchnässt waren. Ansonsten klingen wir den Abend bei ein paar Hefeweizen und Skyjo-Runden aus.

alex-wandert-halt.de
In einer mystischen Nebeldecke liegt die Saarbrücker Hütte heute. Dennoch bietet sie uns ein warmes Bett und leckeres Essen


