Nach einem feucht-fröhlichen Einstieg im Montafon starten Marc und ich zu zweit in ein dreitägiges Bergabenteuer voller landschaftlicher Gegensätze. Vom geschichtsträchtigen Schmugglerweg über den steilen, felsigen Sarotlapass bis hinab ins grüne Gauertal erleben wir eine Etappe, die uns körperlich alles abverlangt, aber mit traumhaften Ausblicken und einer windigen Knödelsuppe belohnt.
Den Bericht zur Etappe vier findest du hier.
Alles rund um unser Abenteuer in der Montafoner Hüttenrunde findest du hier.
Tourendaten im Überblick
Streckenlänge:
17 km
Höhenmeter bergauf:
1.400 m
Höhenmeter bergab:
1.200 m

Montafoner Hüttenrunde Etappe 5: Von Gargellen bis zur Lindauer Hütte
gewandert am 20.07.2025
Key Facts
| Schwierigkeitsgrad | 4/5 |
| Kulturgrad | 1/5 |
| Naturgrad | 4/5 |
| Beste Jahreszeit | Juli bis September |
| Startpunkt | Gargellen |
Tourenbeschreibung
Ein Jahr später
Wir befinden uns nun im Jahr 2025. Ein Jahr zuvor beendete die zehnköpfige Gruppe die abenteuerliche und ereignisreiche Wanderung in Gargellen. Heute sind es nur noch Marc und ich, die sich in voller Ausrüstung auf den Weg machen.
Allerdings ist das nicht mein erster Tag im Montafon, sondern bereits der vierte. Mit einer Freundesgruppe sind wir bereits am Donnerstag angereist. Wir haben jeden Tag die Gegend erkundet und das ein oder andere alkoholische Getränk durfte auch nicht fehlen. Letzteres sorgte bei mir auf der heutigen Etappe erst mal für leichte Schwächeerscheinungen beim ersten Anstieg.
Unter anderem wanderten wir zuvor auf dem „Schmugglerweg“. Gargellen war mit seiner Lage auf über 1.400 Metern und der Nähe zur Schweizer Grenze wohlbekannt für seinen Schmugglerwaren-Verkehr. Die Schmuggler wanderten hier nachts über die Pässe – teilweise mit bis zu 40 kg Last. Ich habe gelernt, dass es sich hierbei meist um Waren wie Kaffee, Salz und Zucker gehandelt hat.
Während der Rest der Gruppe heute abreist, parken wir noch am frühen Morgen das Auto an unserem Endpunkt in zwei Tagen, dem Staubecken Latschau, um.
Aufstieg am Bergdorf Gargellen
Während es noch still in der Ferienwohnung ist, beginnen Marc und ich mit schwer bepackten Rucksäcken unser Abenteuer für die nächsten drei Tage. Wir gehen durch den Ort Gargellen und steigen vorbei an der Kirche auf der anderen Talseite über einen Wiesenweg bergauf. Bevor wir in den anstrengenden Waldanstieg einsteigen, bewundern wir noch kurz den Klettersteigeinstieg am Rongg-Wasserfall.
Die erste kurze Pause gönnen wir uns, nachdem die ersten 500 Höhenmeter geschafft sind. Ich spüre die Vortage in den Muskeln, aber auch, dass die Kraft mit jedem weiteren Anstieg langsam wieder zurückkommt. Auf Kilometer vier lohnt es sich, noch ein letztes Mal auf das Bergdorf Gargellen zurückzublicken.
Sarotlapass: unerwartete Tücken
Unser nächstes Etappenziel ist die Überschreitung des Sarotlapasses. Wir laufen nun stets den Sarotlaspitzen entgegen, wobei wir uns entlang von halbhohem Gestrüpp und kleineren Steinfeldern bewegen.
Den Aufstieg zum Sarotlapass würde ich als mittelschwer bis schwer einstufen, weil er extrem steil und steinig ist. Schwindelfreiheit und Trittfestigkeit sollten hier unbedingt vorhanden sein. Mit der Überschreitung des Sarotlapasses verlassen wir Vorarlberg und kommen in den Schweizer Kanton Graubünden. Aber nicht nur das Staatsgebiet ändert sich, sondern auch die Landschaft. Das Gestein im Rätikon wechselt nun zwischen dem grau-kristallinen Gestein und dem hellgrauen Kalk der Sulzfluh.
Die eindrucksvolle weiße Platte
Ähnlich wie bereits auf Etappe 3 ist unser Ausflug in die Schweiz nur von kurzer Dauer. Ungefähr 1.000 Meter gehen wir entlang der Steilhänge bis zum Plasseggenpass auf ca. 2.530 Metern Höhe. Hier treten wir wieder (ohne Passkontrolle) ins Staatsgebiet der Republik Österreich ein.
Wir wandern nun über einen begrasten Korridor, umgeben vom auffällig hellgrauen Stein. Gelegentlich passieren wir kleine Teiche, die von Wollgrasblüten umgeben sind. Eindrucksvoller finde ich aber den riesigen Kalkstein-Massiv – auch Sulzfluh genannt. Die zahlreichen Rillen, Höhlen und vom Zahn der Zeit geprägten, steilen Wände sind einzigartig für das Rätikon zwischen Österreich und der Schweiz.
Am Grubenpass steigen wir dann wieder leicht ab und erblicken den Tilisunasee.
Windige Knödelsuppe auf der Tilisunahütte
„Warum haben wir uns hier nicht eine Unterkunft gebucht?“, frage ich mich, als ich die traumhaft gelegene Tilisunahütte erblicke. Mitten im Rätikon thront die AV-Hütte über Schruns nahe des Tilisunasees. Weil ich mich von den Murmeltieren ablenken lasse, die überall rund um die Wiesen der Hütte zu finden sind, hänge ich Marc etwas hinterher. Zudem sprintet er schon vor, weil er hungrig auf eine Spinatknödelsuppe ist. Es ist nicht kalt, aber es windet unglaublich stark an der Hütte. Während wir draußen auf der Terrasse unsere Suppe schlürfen und uns für die zweite Hälfte des Tages stärken, sehe ich einige Speisekarten und sogar Jacken umherfliegen.
Von den rund 2.200 Metern Höhe steigen wir jetzt noch einmal rund einhundert Meter auf. Diese lassen sich nach der leckeren Suppe aber fast unspürbar zurücklegen.
Schwarzhara
Während des weiteren Aufstiegs sehe ich kleine, schwarz glänzende Gesteinsbrocken auf dem Weg. Der nächste Blick erklärt auch, warum: Vor uns liegt das Tilisuna-Schwarzhorn. Seinen Namen hat es vom dunklen, vulkanischen Gestein.
Beeindruckend am Schwarzhorn ist aber vor allem der Blick. Wir überqueren den nächsten Grat und sehen das heutige Ziel weit unten im Tal liegen: die Lindauer Hütte. Die vor uns liegenden über 1.000 Höhenmeter Abstieg lassen sie von hier aus leider schon deutlich erahnen.
Abstieg unter knallender Sonne
Der Abstieg ist zunächst von unzähligen Serpentinen geprägt, während wir andauernd den Blick ins bewaldete Gauertal werfen dürfen. Wir steigen bereits tief ab, aber meine Beine werden schwerer und die Knie wollen keinen Schritt mehr bergab gehen. Zum Glück überqueren wir einen eiskalten Bergbach, in den ich meine Cap eintauche, um sie mir dann triefend über den Kopf zu klatschen.
Unterhalb der markanten Bergspitzen „Drei Türme“ liegt die Lindauer Hütte, auf der wir nach einer langen Tour erschöpft ankommen. Kaffee und Apfelstrudel belohnen uns am Nachmittag.

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Wir erblicken die Sarotlaspitzen vor uns

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Mal wieder Grenzübergänger

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Starker Kontrast am Kalkstein im Rätikon

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Die Knödel auf der Tilisunahütte während der Mittagspause

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Wir sehen bereits den Etappenterminus: Die Lindauer Hütte
Übernachtung
Lindauer Hütte
Die Lindauer Hütte ist vielleicht die am besten ausgebaute Berghütte, auf der ich bisher übernachtete. Die Menükarte ist unglaublich stark – man sollte eigentlich mehrere Tage hier übernachten, um alle probieren zu können. Auch das Frühstück ist ausgiebig, regional und lecker.
Die Hütte bietet extrem viel Platz: Es gibt Duschen und Bäder, sogar einen Leseraum, eine große Stube und eine Sonnenterrasse.
Die Hüttenwirte waren freundlich und hilfsbereit. Alles in allem gibt es nichts zu meckern. Eine super Hütte, auch für Fahrradfahrer.

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