Tourendaten im Überblick

Streckenlänge:
5 km

Höhenmeter bergauf:
410 m

Höhenmeter bergab:
690 m

gewandert am 19.08.2024


Schwierigkeitsgrad4/5
Kulturgrad1/5
Naturgrad4/5
Beste JahreszeitJuli bis September
StartpunktSaarbrücker Hütte
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Es wird nicht besser

Gefühlte 90 % Luftfeuchtigkeit hätte man im Trockenraum der Saarbrücker Hütte messen können, als wir morgens die Köpfe hineinstreckten, um zu prüfen, ob die Kleidung noch trieft. Meine größte Sorge galt meinen durchnässten Schuhen. Blasen wären vorprogrammiert, sollte ich schon am Start einer Tagesetappe in nasse Wanderschuhe schlüpfen. Die Saarbrücker Hütte kann zum Glück mit einer Schuhsteckheizung dienen. Die warmen Stangen, an denen die Schuhe hängen, trocknen sie dann unter widrigsten Geruchsumständen.

Warm wirds mit den Höhenmetern

Erneut im Regenoutfit startet die Gruppe nun in Richtung Schweizer Grenze. Wie schön die Saarbrücker Hütte liegen muss, können wir uns dank der dichten Nebeldecke nur vorstellen. Steinig und steil steigen wir auf. In Erinnerung bleibt hier auf jeden Fall der Blick links über die Schulter hinab zum Litznergletscher. Das Gletscherblau lässt sich trotz des Schlechtwetters im grauen Geröll gut erkennen.
Wir wollen aus dem gestrigen Fehler lernen und enger zusammen wandern. Keine Ausreißer mehr. Wir kommen deshalb zwar langsamer voran, da die Tagesetappe aber recht kurz ist, haben wir keine Eile – wäre da nicht das schlechte Wetter…

Seelücke und Grenze

Nach guten 1,2 km und 270 Höhenmetern steilen Aufstiegs erreichen wir den Bergsattel „Seelücke“ und damit auch die österreichisch-schweizerische Grenze. Der eine oder andere wechselt jetzt noch schnell in den Flugzeugmodus, während wir die „Aussicht“ genießen. Wir sehen aufgrund des Nebels so gut wie gar nichts und ziehen deshalb unsere Pause nicht in die Länge; der Wind in Kombination mit der nassen Kleidung und dem Schweißfilm auf der Haut lässt uns recht schnell auskühlen.

Hier lässt sich eindrücklich erahnen, wo sich die Gletscher früher entlanggezogen haben. Sie sind zwar fast verschwunden, hinterlassen aber unverkennbare Narben im rauen, grauen Gelände.

Plattenjoch

Unser kurzer Ausflug in die Schweiz endet am Plattenjoch – einer weiteren Grenzscharte, die von der Östlichen und Westlichen Plattenspitze flankiert wird. Direkt hier umgehen wir zudem den kleinen Plattengletscher.
Theoretisch geht es jetzt „nur“ noch bergab in Richtung der Tübinger Hütte. Doch dieser Abstieg sollte sich zu einem meiner einprägsamsten Wandermomente entwickeln.

Horrorsituation

Wir steigen weiter steil bergab. Der Nebel ist nun vollkommen eingezogen. Es regnet zwar nicht, aber die Mordor-ähnliche, steinige Landschaft trägt heute eine dauerhafte Feuchtigkeit auf ihrer Oberfläche. Wir sind alle höchst konzentriert und gehen langsam, Schritt für Schritt. Nun wird auch der Wind stärker, aber glücklicherweise ist nichts von Gewittern zu sehen oder zu hören. Das Team bleibt eng zusammen, weil wir keine 10 Meter weit blicken können.

Plötzlich knallt es hoch über uns. Wir erstarren. Sekunden später hören wir das unrhythmische, lauter werdende Poltern. Steinschlag! Nackte Angst steht uns ins Gesicht geschrieben, denn wir sehen aufgrund des dichten Nebels absolut gar nichts. Instinktiv schmiegen wir uns eng an den Fels, suchen Deckung. Nur wenige Sekunden vergehen, während wir das Geröll in unmittelbarer Nähe an uns vorbeirutschen hören.

Mir wird klar: Wir müssen hier so schnell wie möglich weg. Wir befinden uns in einem abgeschmolzenen Gletschergebiet und stehen deshalb unter erhöhter Steinschlaggefahr. Mit dem dichten Nebel fühle ich mich den Elementen völlig ausgeliefert.

Nach einer kurzen Verschnaufpause entscheiden wir uns, schleunigst weiter abzusteigen. Erst jetzt fällt uns auf, dass ein Teammitglied zitternd auf einem Stein kauert. Sie hyperventiliert und bekommt kein Wort heraus – eine Panikattacke. Gemeinsam versucht die Gruppe, sie und damit auch sich selbst zu beruhigen. Nach ungefähr zehn Minuten steigen wir weiter ab. Langsam, aber ohne Pause.

Tübinger Hütte in Sicht

Nach rund einem weiteren Kilometer wird es wieder wärmer. Licht durchflutet den Nebel; der Weg bleibt zwar steinig, ist aber nicht mehr steil. Wir erreichen die Schwabenplatte. Hier endet die Gletschermoräne – die Mondlandschaft – und wir erreichen wieder einen regulären Wanderweg. Die Tübinger Hütte ist in Sicht!

Saarbrücker Hütte im Silvrettagebirge

alex-wandert-halt.de

Saarbrücker Hütte im Silvrettagebirge

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Gletscherreste

Der schwierige Abstieg am Plattenjoch

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Der schwierige Abstieg am Plattenjoch

Tübinger Hütte

Wer an der Tübinger Hütte ankommt, lässt zwangsläufig den Blick in Richtung des wilden Garneratals schweifen. Hier, am beeindruckenden Talschluss, thront die Hütte der DAV-Sektion Tübingen am steilen, steinigen Hang.

Die große Hütte bietet mit über 100 Schlafplätzen viel Platz für Wanderer. Wir stellen erst einmal unsere feuchte Ausrüstung im Trockenraum ab.

In der Stube gibt es dann Kaffee, Tee und Kakao für uns durchgefrorene Wanderer. Wir spielen den ganzen Nachmittag Karten und genießen die Zeit in der Gruppe. Kein Mobilfunkempfang und kein WLAN – das lässt uns voll auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Ich erinnere mich kaum noch an die Schlafräume, was jedoch als gutes Zeichen betrachtet werden kann.

Fenster der Tübinger Hütte

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Tübinger Hütte